Das Hauptstadtrudel
Altdeutsche Hütehunde in Berlin

Jenny

Jenny ist unsere Weihnachtsüberraschung!

 




 


 
Sie haben wir dazugeholt, um Dingo einen angstfreien Hund an die Seite zu geben, der ihm zeigt, dass die Welt gar nicht so schlimm ist.
Eigentlich hatten wir uns auf der Tierheimseite einen ganz anderen Hund ausgeguckt, aber die Tierheimleiterin riet uns von

diesem Hund ab, weil er in seinem ganzen Leben nichts anderes gekannt hat, als draußen im Zwinger zu leben und er sich wahrscheinlich schwer an ein Leben in einer Stadtwohnung gewöhnen würde. Wir haben uns diesem Rat gebeugt und wanderten von Zwinger zu Zwinger auf der Suche nach einem geeigneten Hund für uns. Dieses Mal durfte der Hund meinen Vorstellungen entsprechen - und eins war für mich insgeheim klar: Schwarz musste er sein! Ich mag schwarze Hunde. Mein erster Hund war ein schwarzer Pudel/Cocker-Mix. Dann hatte ich später einen schwarzen Terrier-Mix und noch einen schwarzen Pudel-Mix und zwei schwarze Neufundländer (nicht alle auf einmal ) - schwarze Hunde begleiteten mich. Deswegen auch jetzt wieder: Schwarz.



In einem großen Gehege mit drei Hunden saß Jenny. Eigentlich war sie gar nicht so richtig schwarz; sie sah eher ein bißchen schmutzig-grau-schwarz aus, irgendwie struppig und glanzlos im Fell - also ein Eyecatcher sieht anders aus.

Sie saß da so mittendrin im Gehege und war eigentlich an uns nicht wirklich interessiert. Sie kam zwar an den Zaun heran, aber irgendwie aufgeregte Freude über unseren Besuch war nicht zu vermerken. Sie hat nicht mal gebellt. Die isses, dachte ich mir. Sie erinnerte mich von ihrem Verhalten und bei nicht so genauem Hinsehen auch vom Äußeren her an meinen verstorbenen Neufundländer Pakito. Der war zwar ein Sausack aber auch eine echte Hundepersönlichkeit. Solch einen Hund hätte ich - bis auf den Sausack - gerne wieder gehabt.

 



Mein Männe hielt sich dezent im Hintergrund, hatte aber keine Einwände, sich den Hund mal näher zu betrachten. Später hat er mir gesagt, dass seine Wahl auch auf Jenny gefallen war - wir waren uns also von Anfang an einig; aber wie das so ist, ein gewisses Ritual muss eingehalten werden.

Wir haben natürlich den "Hundetrainer" vom Tierheim nach Jennys Charakter befragt - sie war ja schon einen Monat im Tierheim. Er meinte, die Jenny sei ein eher unsicherer Hund - blablabla. Och, dachte ich schon in meiner ersten Enttäuschung, genau so einen Hund können wir zu Dingo eigentlich nicht gebrauchen.

Egal, wir haben mit Jenny trotzdem eine Gassi-Runde außerhalb des Tierheims gedreht. Wir hatten aber gar nicht das Gefühl, als sei Jenny unsicher; im Gegenteil. Zwar nicht so interessiert an uns, aber dafür an allem, was sonst so draußen kreuchte und fleuchte und ohne jegliche Anzeichen von Ängstlichkeit.

Hm, dachten wir, da passt was nicht zusammen. Vielleicht entpuppt sie sich ja erst später so richtig. Ich mochte aber das schwarze Mädchen gleich von Anfang an und wir haben mit der Tierheimleitung ausgemacht, dass wir sie zur Probe mitnehmen.



Sie war alles andere als ängstlich. Jenny bringt nix aus der Fassung. Am Silvesterabend  bin ich mit ihr raus und selbst bei Böllern, die kurz vor ihr detonierten, blieb sie völlig entspannt und fand die Hundezeitung am Baum interessanter als das Wummern des Böllers.

Jenny war ein Goldgriff. Jenny und Dingo wurden ein Dreamteam.

Jenny ist eine wirklich nette Hündin. Sie versteht sich eigentlich mit allen Hunden und zickt fast nie rum - das liebe ich besonders an ihr, denn was mich sonst immer bei den Mädels gestört hatte, war das Gezicke, weswegen ich immer ein Rüden-Fan war; die haben zwar schon mal gerauft, aber nicht so gezickt. Ich hoffe, die Mädels-Besitzer verzeihen mir wegen dieser "Diskriminierung" des weiblichen Geschlechts .

Vielleicht liegt ja ihr so ausgeglichenes Wesen auch daran, dass sie recht früh kastriert wurde - vor der ersten Läufigkeit. Ich diskutiere übrigens mit niemanden über Sinn oder Unsinn der Kastration von Hunden. Es gibt Vor- und Nachteile. Punkt.

 




Jenny hat einen Schönheitsfehler - sie hat eine recht große Jagdleidenschaft - und da müssen wir immer vorausschauend die Gegend sondieren, um sie rechtzeitg abrufen zu können. Vielleicht bekommen wir ja noch den ultimativen Abrufpfiff bei abspringendem Wild hin - wir arbeiten dran.

Jenny ist ein Beispiel dafür, dass im Tierheim nicht nur Hunde sitzen, die "einen Knall" haben. Sie wäre z.B. ein Hund, den man jedem Anfänger übergeben kann. Mit ihr kann sich eigentlich keiner überfordern. Immer vorausgesetzt natürlich, man kennt sich in den Grundbedürfnissen eines Hundes aus und beherrscht das kleine 1x1 der Hundeerziehung.

***

Für Jenny scheint sich nichts geändert zu haben, seit ihr alter Weggefährte Dingo tot ist. Wir konnten nicht feststellen, dass sie Dingo vermisst hätte. Sie ist meines Erachtens ein Hund, der nicht so enge Bindungen eingeht und immer ein bißchen introvertiert ist. Vielleicht täusche ich mich aber und sie trauert auf ihre eigene Weise, die wir nicht erkennen.

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(06.10.2010)

Jenny macht uns ein wenig Sorge. Sie humpelt manchmal auf der Vorderhand. Außerdem kommt sie in der letzten Zeit schwerer hinten hoch; das Röntgenbild hat bei ihr gezeigt, dass die Beckenfuge ziemlich weit auseinandersteht. Dagegen wird man wohl nichts machen können. Altersbedingt hat sie auch leichte Arthrose an den Hüftgelenken. Aber das ist wohl nicht ursächlich für das schwere Aufstehen. Die Befunde stammen vom Frühjahr diesen Jahres.

Wir vergessen ja immer, dass das Mädchen eben doch schon eine ältere Dame ist; im April wird sie 9 Jahre, die Schöne. Und sie ist kein leichter Hund, trotzdem wir sehr bemüht sind, sie nicht dick werden zu lassen. Selbst bei ganz schlanker Figur hat sie noch ihre 32 kg. Und dann ist sie  ein sooo guter Futterverwerter
.

 


Sie war mal eine richtige Gemse - an so etwas merkt man, wie die Zeit vergeht.

Juni 2012

Ein weiteres Jahr ist vergangen, Jenny ist jetzt 10 Jahre alt  und ihre körperliche Verfassung ist nicht wirklich besser geworden. Sie läuft natürlich die großen Runden noch mit und manchmal legt sie auch noch einen kleinen Spurt hin, wenn der Hase vor ihr aufgeht, aber man merkt sehr deutlich, dass dann auch schon ihre letzten Reserven verbraucht sind. Danach gehts nur noch im Schneckentempo.

Die Arthrose hat sie nun auch in den Vorderbeinen und wenn der Willi in seiner ungestümen Art sie manchmal doch noch anrempelt, dann schreit sie vor Schmerz. Sie bekommt ihre tägliche Schmerztablettenration und noch so ein paar Zusatzmittelchen, in der Hoffnung, es geht noch ein paar Jährchen.
 

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Januar 2016

Seit dem letzten Eintrag zu Jenny sind vier Jahre vergangen. Ja, es ging noch ein paar Jährchen mit der Jenny. Am 04.01.2016 haben wir sie der Erde wieder zurückgegeben. Vielleicht geht ja etwas von ihrem Wesen über in ein anderes Wesen. Oder ihre Seele wartet auf eine Wiedergeburt. Oder sie lebt weiter in den ewigen Jagdgründen.

Jenny ist fast 14 Jahre alt geworden und sie hatte ein gutes Leben. Das tröstet mich, wenn ich an sie denke und ich erinnere mich an die schönen Momente, die lustigen, die kleinen frechen Dinge und ich muss lächeln und die Tränen versiegen ganz schnell.

Jenny war eine bescheidene Seele, die sich nie in den Vordergrund gedrängelt hat, außer es gab Lecker . Sie schien ein Mitläufer zu sein und doch war sie die Chefin, diejenige, die anderen gezeigt hat, dass ein gepflegter Umgang gewünscht ist. Nie habe ich in ihren erwachsenen Jahren gesehen, dass es auch nur ein Hund gewagt hat, sie anzugehen, sie ungebührlich zu behandeln. Sie hatte eine außerordentliche Ausstrahlung, die ich vorher noch bei keinem Hund erlebt habe. Sie war einfach eine ganz tolle Rüdin.

Wir hatten schon damit gerechnet, dass sie das Jahr 2014 nicht mehr bis zum Ende erlebt und dann hat sie noch ein volles Jahr dran gehängt. Es war die letzten Monate ein Auf und ein Ab, und wir hatten schon mehrfach den Entschluss gefasst: Jetzt geht es nicht mehr, jetzt müssen wir sie erlösen. Und auf einmal wurde sie munter, quietschvergnügt, als wollte sie uns beweisen, dass sie noch lange nicht auf dem absteigenden Ast ist. Aber dann wurde ein Tumor festgstellt,  das Herz war stark angegriffen, die Lunge hörte sich nicht gut an.  Es ist uns sehr schwer gefallen, Jenny einschläfern zu lassen, denn geistig war sie noch sehr gut dabei, nur der Körper wollte nicht mehr. Sie war zum Schluss nur noch Haut und Knochen. In ihren guten Zeiten wog sie 32 kg ohne Fett. Zum Schluss waren es nur noch 23 kg . Ich habe mir immer gewünscht, sie würde einfach einschlafen. Aber den Gefallen hat sie uns nicht getan. Sie wurde neben Dingo beerdigt.

Machs gut, meine Schwatte, unsere Dicke.

 




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